Meditation und Laufen

Meditation und Laufen

Meditation und Laufen

Meiner Erinnerung nach war es der legendäre Läufer Emil Zatopek, der dafür bekannt ist, drei Goldmedaillen bei den olympischen Spielen im Sommer 1952 gewonnen zu haben, der folgendes Denkwürdige sagte: „Wenn du laufen willst, laufe eine Meile. Wenn du ein anderes Leben kennenlernen willst, laufe einen Marathon. Wenn du mit Gott sprechen willst, laufe ein Ultrarennen.“

Unter all den Sportarten, die es gibt – und ich habe ganz gewiss viele ausprobiert – ist es meiner Meinung nach das Laufen, das in vieler Hinsicht die beste ist, zumindest ist sie für unser Lebenstraining am nützlichsten. Das Laufen führt zu den besten Resultaten bezüglich unserer Selbsterfahrung, es erweitert unsere Fähigkeiten und öffnet die Tür zu etwas jenseits unserer Grenzen. Es ist eine Art Metapher für das Leben selbst. Das äußere Laufen fordert Verstand und Körper heraus und fördert die Entwicklung eines entschlossenen Geistes, eines Glaubens an sich selbst, der Zielstrebigkeit und den Mut für große Herausforderungen. Laufen konfrontiert uns mit unseren Grenzen, lehrt uns sie zu überwinden und zu erforschen und letztlich über sie hinaus zu wachsen.

Es gibt auch einen tieferen spirituellen Aspekt des Laufens. Der große indische Meditationsmeister Sri Chinmoy hat sich oft dazu geäußert. Er war der Einzige unter den spirituellen Lehrern, der seinen Fokus auf die Vervollkommnung des Körpers gerichtet hat. Er sah alles im Leben als eine Suche nach Glück, die Leid, Begrenzung und Unwissenheit hinter sich lässt, während sie nach Selbstverwirklichung und dem Aufblühen unserer vielen noch unentdeckten Fähigkeiten – der großen Erleuchtung als unsere wahre Natur – strebt. Er verglich Laufen mit einem Familienpicknick, bei dem Körper, Verstand, Herz und Seele – die Mitglieder unserer „Familie“ – alle Freude am Laufen haben.

Und es stimmt! Wenn ich an Sonntagen einen langen Lauf in den Waitakere Ranges mache oder auf den 6000 Fuß hohen Kepler in Fjordland laufe, dann erlebe ich ein Frohlocken über das Geschenk des Lebens, ein Gefühl der Dankbarkeit für die Schönheit des Panoramas der Erde und die Freude darüber, dass es mir gut geht. Ich erlebe die Freude von Körper und Geist, die Abenteuer und Freiheit schenken, eine entlastende Ferne von den gewöhnlichen Dingen des Alltags.

Viele Läufer bereitet ihr Sport gut auf ihr Leben vor, klärt sie über ihre Stärken und Schwächen auf und lehrt sie, zu wagen, mutiger zu werden und an sich selbst zu glauben. Der große Ultraläufer Scott Jurek erläutert: „Ich laufe, weil mich das Überwinden der Schwierigkeiten eines Ultramarathons daran erinnert, dass ich die Schwierigkeiten des Lebens überwinden kann, dass das Überwinden von Schwierigkeiten das Leben war.“

Und der Läufer Patrick Overton sagt: „Wenn du an den Rand allen Lichtes kommst, das dir bekannt ist, und dann in die Dunkelheit des Unbekannten vorstößt, dann heißt Vertrauen haben, zwei Dinge zu wissen: Entweder wird es dort etwas Solides geben, auf dem ich stehen kann oder ich werde lernen zu fliegen.“

Sri Chinmoy erstaunte die Welt mit seinem Beitrag für die Laufwelt, besonders indem er die Ultralangstreckenläufe wiederbelebte und indem er der Pionier für etwas Unmögliches war. Er war der Initiator für den nun jährlich stattfindenden 3100-Meilen-Lauf, das längste zertifizierte Rennen der Welt, das jemals stattfand. Warum sollte man ein so langes und schwieriges Rennen ins Leben rufen? Um der Welt die grenzenlosen Fähigkeiten von Körper und Verstand aufzuzeigen, wenn diese durch die Macht des Geistes, der Vorstellungskraft, des Mutes, der Herausforderung und des Selbstvertrauens nutzbar gemacht sind.

Sri Chinmoy schreibt: „Wir sind alle wahrhaft unbegrenzt, wenn wir nur wagen, es zu versuchen und Vertrauen haben.“ 1 Er fährt fort: „Leben und Sport können nicht getrennt werden: Sie sind eins. Es ist eine Tatsache, dass das Leben selbst ein Spiel ist. Dieses Spiel kann äußerst gut gespielt werden, vorausgesetzt der Spieler entwickelt bewusst oder unbewusst die Fähigkeit, die transzendentale Energie anzurufen, die sich in Handlungen immer offenbart.“ 2

„Wir müssen den Körper fit halten, und dafür ist das Laufen von beträchtlicher Hilfe. Wenn wir körperlich fit sind, dann werden wir inspirierter sein, am Morgen aufzustehen und zu meditieren. … Die Leistungsfähigkeit des Körpers und die Leistungsfähigkeit der Seele, die Geschwindigkeit des Körpers und die Geschwindigkeit der Seele gehören zusammen. Das äußere Laufen erinnert uns an etwas Höheres und Tieferes – an die Seele, die die Straße der Ewigkeit entlang läuft. Laufen und physische Fitness helfen uns sowohl in unserem inneren Leben der Strebsamkeit als auch in unserem äußeren Leben der Aktivität.“ 3

Jogyata Dallas, Neuseeland, 23. November 2015

 

Einzelnachweise

1 Lifting up the world with a oneness-heart, Sri Chinmoy, Agni Press, 1988
2 Emil Zatopek: earth’s tearing cry and Heaven’s beaming smile, Sri Chinmoy, Agni Press, 1980
3 The outer running and the inner running, Sri Chinmoy, Agni Press, 1984

Meditation und Ernährung

Meditation und Ernährung

Meditation und Ernährung

Ernährung, Verstand und Seele sind nicht separat zu betrachten, sondern sind sich ergänzende Aspekte unseres Menschseins, untrennbar und sich gegenseitig beeinflussend. Wenn die Spiritualität mehr und mehr Platz in unserem Leben einnimmt, sollten wir uns nicht auf das Meditieren beschränken und die anderen Aspekte vernachlässigen, denn sie können nicht voneinander getrennt werden. Wenn der Verstand durch regelmäßiges Meditieren klarer und ruhiger wird, wird uns unser körperlicher Zustand bewusster, ob er nun gut oder schlecht ist. Wir beginnen dann den Körper-Verstand-Mechanismus zu verstehen, wir begreifen, wie Gedanken, Stressfaktoren und negative Gefühle sich ansammeln und sich im Körper als Unruhezustände, Müdigkeit, Schmerzen und Krankheiten zeigen. Sport ist eines wirksames Gegengift dafür, genau wie ein tieferes Verständnis für die Rolle, die die Ernährung spielt. In seinem klassischen Bestseller Meditation: Menschliche Vervollkommnung in göttlicher Erfüllung äußert sich Sri Chinmoy wie folgt:

„Die vegetarische Ernährung spielt im spirituellen Leben eine äußerst wichtige Rolle. Für einen Sucher ist Reinheit von höchster Wichtigkeit. Diese Reinheit müssen wir im Physischen, im Vitalen und im Mentalen errichten. Wenn wir Fleisch und Fisch essen, dringt das aggressive tierische Bewusstsein in uns ein. Unsere Nerven werden erregt, sie werden unruhig und aggressiv und dies kann unsere Meditation stören. Die milden Eigenschaften von Früchten und Gemüse jedoch können uns andererseits helfen, sowohl in unserem inneren Leben als auch in unserem äußeren Leben die Eigenschaften Freundlichkeit, Sanftheit, Einfachheit und Reinheit zu etablieren. Wenn wir also Vegetarier sind, hilft das unserem inneren Wesen, seine eigene Existenz zu stärken. Innerlich beten und meditieren wir, äußerlich hilft uns auch die Nahrung, die wir von Mutter Erde erhalten, indem sie uns nicht nur Energie gibt, sondern auch Strebsamkeit.“ 1

Man sollte versuchen, nicht direkt nach dem Essen zu meditieren – dann ist der Körper oft müde oder unruhig. Vor dem Essen oder einige Stunden danach ist die Meditation effektiver.

Orginalquellenangabe

1 Meditation: humanity’s race and Divinity’s Grace, part 1, Sri Chinmoy, 1974, Agni Press